Heute ist der Tag des Lokaljournalismus – eine länderübergreifende Initiative von Medienhäusern und Verlegerverbänden aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz. Ihr Ziel: die Bedeutung des Lokaljournalismus sichtbar machen und den Dialog zwischen Redaktionen und Publikum stärken.

Zeitungen wie die «Engadiner Post/Posta Ladina» recherchieren, informieren und ordnen ein. Sie bilden das Geschehen in der Region ab – und damit die unmittelbare Lebenswelt ihrer Leserinnen und Leser.

Wer die zahlreichen Studien zum Lokaljournalismus liest, kommt zum klaren Schluss: Er ist für eine funktionierende, informierte Gesellschaft zentral. Bereits 2018 kam der Politikwissenschaftler Daniel Kübler von der Universität Zürich zum Schluss, dass die Wahlbeteiligung dort sinkt, wo weniger über lokale Politik berichtet wird. Grundlage war eine Analyse des Abstimmungsverhaltens in sechs Schweizer Metropolitanräumen mit über 400 Gemeinden und mehr als drei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Ein Blick in die USA zeigt, wohin die Entwicklung gemäss einer von der Northwestern University in Illinois veranlassten Erhebung führen kann: In den letzten 20 Jahren sind dort fast 40 Prozent der lokalen Zeitungen verschwunden. Rund 50 Millionen Menschen haben keinen oder nur noch eingeschränkten Zugang zu verlässlichen lokalen Informationen. Die Folgen sind gravierend: Falschinformationen verbreiten sich leichter, die gesellschaft­liche Polarisierung nimmt zu, demokratische Prozesse geraten unter Druck. Guter Lokaljournalismus entsteht jedoch nicht von selbst. Er braucht Verlagshäuser, die bereit sind, in Qualität zu investieren. Und er braucht Redaktionen mit gut ausgebildeten Journalistinnen und Journalisten, die nahe bei den Menschen sind, ohne sich anzubiedern. Lokaljournalismus schafft Orientierung, ordnet ein und macht Entwicklungen nachvollziehbar. Und er schafft – wenn gut gemacht – Vertrauen in den professionellen Journalismus. Damit leistet er einen zentralen Beitrag zum demokratischen Zusammenleben.

Der Anspruch der «Engadiner Post/Posta Ladina» ist es, genau das zu leisten: verlässlich aus der Region zu berichten, Zusammenhänge aufzuzeigen und relevante Themen einzuordnen. Der Tag des Lokaljournalismus bietet eine Gelegenheit, diesen Anspruch sichtbar zu machen.

Deshalb hat sich die Redaktion bewusst dorthin begeben, wo das Leben stattfindet: an den Stammtisch des Dorfcafés in Sils, in die Lataria Sent, ins Alterszentrum Promulins in Samedan und in die Wertstoffhalle in St. Moritz. Orte, an denen Alltag sichtbar wird und Geschichten entstehen. Die daraus entstandenen Reportagen erscheinen in den kommenden Ausgaben. Den Auftakt macht ein Interview mit dem Präsidenten des Verbands Schweizer Medien, Andrea Masüger. 

Der Tag des Lokaljournalismus macht sichtbar, was oft selbstverständlich wirkt – es aber nicht ist: Guter Lokaljournalismus ist kein Luxus. Er ist unverzichtbar.

Autor: Reto Stifel
Foto: Daniel Zaugg