Er hat kein Wahlkampfbudget, und hinter ihm steht keine Partei, die Plakate druckt oder Podien organisiert. Sein Wahlkampf läuft primär in den sozialen Medien ab und über die Medienberichterstattung. Reto Bott ist der Überraschungskandidat für die Regierungsratswahlen am 14. Juni. Reto Bott, Jahrgang 2002, ist in S-chanf mit drei Geschwistern in einer Bauernfamilie aufgewachsen. Sein Vater ist Gemeindepräsident, am Tisch der Familie Bott wurde seit jeher über politische Themen diskutiert. Bott studiert Rechtswissenschaften an der Universität Zürich, seine Hobbys, so sagt er, sind Aktivitäten mit seiner Freundin, Fussball, Bergwanderungen und Lesen.
Er bezeichnet sich als grossen Verfechter der Gemeindeautonomie und setzt sich für eine bürgernahe Politik ein. Bezahlbarer Wohnraum und der Erhalt der romanischen Sprache und Kultur lägen ihm am Herzen. Politische Erfahrung in einem Gremium hat er bisher noch nicht. Und doch kandidiert er nicht etwa für den Grossen Rat, sondern gleich für den Regierungsrat. «Viele Leute fühlen sich nicht mehr gehört, vor allem die Jungen», erklärt er seine Kandidatur. Ein Viertel der Bevölkerung habe keine Stimme in der Politik. «Mit meiner Kandidatur möchte ich vor allem, dass die Stimme der Jungen gehört wird», so Reto Bott. Damit erreiche er etwas, unabhängig vom Wahlresultat am 14. Juni.
Meinungen auf den Grund gehen
«Mich interessieren vor allem die politischen Diskussionen, die Meinungen anderer Menschen», sagt der Student. Er möchte erfahren, warum jemand eine gewisse Positionen einnimmt, was diese Person überzeugt. Dass er keiner Partei angehört, kommt nicht von ungefähr. «Keine Partei repräsentiert meine Sichtweise», erklärt er. Reto Bott strebt eine Gesellschaft an, in der die Bevölkerung in allen politischen Prozessen integriert ist. Er möchte einerseits einen sozialeren Staat, andererseits wehrt er sich gegen die Überregulierung der Gesellschaft. Ein wahrhaftiger Spagat in seiner politischen Agenda. «Jede Partei engagiert sich für Themen, die ich ebenfalls unterstütze, aber auch für solche, hinter denen ich nicht stehen kann», so der junge Kandidat.
Viel Zuspruch aus dem Umfeld
Braucht es Mut, als politisches Greenhorn für einen Regierungsratssitz zu kandidieren? «Sicher, aber jemand muss diesen Mut aufbringen, sonst ändert sich nichts», sagt Reto Bott. Er hofft, dass seine Kandidatur Junge animiert, wählen zu gehen, oder vielleicht sogar selber in die Politik einzusteigen. «Es ist sehr schwierig, die Jugend dazu zu bewegen, sich politisch zu beteiligen. Mein Ziel ist, ihr Interesse zu wecken, indem ich ihre Generation vertrete».
Die Reaktionen aus seinem Umfeld zur Kandidatur waren überwiegend positiv. «Freunde und Familie unterstützen mich», sagt er. Natürlich habe er auch schon kritische Stimmen gehört, vor allem von der älteren Generation.
Für den Wahltag hat er nur einen Wunsch: «Dass die Wahlbeteiligung höher ist als vor vier Jahren». Er selbst habe schliesslich nichts zu verlieren. «Jede Stimme, die ich gewinne, hat mich lediglich meine Zeit gekostet».
Diskutieren Sie mit
Login, um Kommentar zu schreiben