Geschrieben hat die Geografin und Wanderleiterin Regula Bücheler das Buch «Unterengadin - Wandern in der Engiadina Bassa» eigentlich für Gäste. «Die ersten Rückmeldungen zeigen aber, dass dieser Wanderführer auch die Ortsansässigen anspricht», erzählt sie in ihrer Wohnküche im Dorfkern von Ardez. Das reich bebilderte Werk ist weit mehr als nur ein Buch mit Wegbeschreibungen, es bietet Einblicke in Natur, Geschichte und Gesellschaft der Region. Die Wanderungen sind geografisch in sechs Kapitel aufgeteilt. Passend zu jedem der Kapitel wird ein Hintergrundthema beleuchtet, unter anderem zu Geologie, zur Flora, oder zum Klimawandel. Das Buch liefert Informationen zum Schloss Tarasp, zum Wandel des Romanischen, zu den Dorfbränden, zu Felsstürzen, zur Umnutzung leerstehender Gebäude, zur Landwirtschaft, Waldbewirtschaftung oder zur Holzverarbeitung.
Eine Lücke gefüllt
«Ich lebe seit bald 30 Jahren in der Region, gehe sehr gerne wandern und hatte Lust, mein Wissen über das Unterengadin zu vertiefen», erklärt die Autorin ihre Motivation, diesen Wanderführer zu schreiben. Als Geografin sei sie an einem breiten Themenspektrum interessiert. Touristisch sei das Unterengadin eine ideale Wanderregion mit vielen attraktiven Wegen, einer guten Infrastruktur, Natur und Kultur. Da biete sich ein solches Buch an.
Der Rotpunktverlag feiert dieses Jahr Jubiläum: vor 50 Jahren ist der Verlag primär mit Wanderführern gestartet. Eine Buchserie widmet sich noch heute Wanderregionen, unter anderem dem Vinschgau oder dem Rätikon. Zwar gibt es von Rotpunktverlag bereits Wanderführer für die Val Müstair, die Valposchiavo und die Val Bregaglia, aber überraschenderweise noch nicht für das Engadin. Mit ihrem Buch schliesst Regula Bücheler also eine Lücke.
Alle Wanderungen selbst gemacht
Andere Wanderführer gibt es bereits einige zum Unterengadin. Die Wanderführer des Rotpunktverlags haben eine bestimmte Struktur und Ausrichtung. Sie zeichnen sich als literarische Sachbücher und Kulturreiseführer aus. Zwei Jahre hat Regula Bücheler am Wanderführer für das Unterengadin gearbeitet. «Ich habe jede der 28 Wanderungen mindestens noch einmal, wenn nicht mehrmals gemacht», sagt sie. Schreiben könne sie nur, wenn sie etwas sehe oder erlebe. «Ich bin ein visueller Mensch und werde über das Auge inspiriert», erklärt sie.
In den Sommermonaten 2024 und 2025 habe sie das Unterengadin erkundet und dabei sogar drei Wanderungen zum ersten Mal gemacht, zum Beispiel jene zur Fuorcla Salet. «Ich habe die Region auf diese Weise nochmals anders kennengelernt», meint sie. Wandern und mit allen Sinnen die Gegend wahrnehmen, das sei ihr Konzept gewesen. Dabei seien so viele Eindrücke und Notizen entstanden, dass für sie beim Schreiben die Reduktion auf das Wesentliche zur grössten Herausforderung wurde. «Ich hätte genug Material für einen zweiten Band», sagt sie lachend.
Mit Unterstützung von Fachleuten
Die meisten Fotos im Buch wurden von Regula Bücheler selbst aufgenommen, die Blumenbilder stammen von ihrem Partner Romedi Reinalter, einem profunden Kenner der Botanik. Auch bei Themen wie der Geologie oder Schmetterlinge hatte sie Unterstützung von Fachpersonen aus der Region. Die Bildsprache wirkt dennoch harmonisch, was mit der Vorgehensweise der Autorin zusammenhängt. «Ich habe bereits beim Wandern innerlich eine Auswahl der Bilder getroffen», erläutert sie.
Die Wanderrouten sind in den verschiedenen Schwierigkeitsgraden des Schweizerischen Alpen Clubs (SAC) aufgeführt. Rund ein Viertel der Wanderungen sind mit T1 gekennzeichnet, und sind somit einfache Wanderungen. Die schwierigste Wanderung im Buch ist eine T4, (der schwierigste Grad wäre T6). «Beim Schreiben hatte ich den klassischen, fitten Wanderer im fortgeschrittenen Alter vor Augen. Familienwanderungen hat es hingegen nur wenige im Buch», informiert die Autorin.
Überraschende Entdeckungen
Im Zuge ihrer Recherchen für den Wanderführer hat Regula Bücheler überraschende Entdeckungen gemacht. So hat sie im Norden des Muttler (3296 m ü. M.) erlebt, dass die Permafrostbodenschicht bereits «fühlbar» ist. «Ich habe mich zum Teil auf 20 Zentimeter Geröll bewegt, welches auf dem gefrorenen Untergrund rutschte», erzählt sie. Regula Bücheler wandert gerne dort, wo wenig Menschen unterwegs sind. Darum ist ihre Lieblingswanderung im Buch jene, die von Brail in die Val Punt Ota und zurück nach Cinuos-chel führt. Diese Wanderung ist weniger bekannt. Im Wanderführer sind aber auch Routen beschrieben, die sehr beliebt sind, zum Beispiel jene zum God Tamangur bei S-charl.
Was Regula Bücheler besonders freut ist, dass sogar junge Wanderleiter und Bergführer ihr neues Buch kaufen. «Der Inhalt ist so breit gefächert, dass jede und jeder etwas mitnehmen kann», sagt sie.
Die Buchpremiere findet am 20. Juni um 14 Uhr in der Ustaria Tschlin statt. Zum Programm gehört auch ein Spaziergang in und um Tschlin mit Regula Bücheler und anderen Fachkundigen. Die Vernissage wird musikalisch von Tanzlischem begleitet. Anmeldungen: kontakt@poesia-clozza.ch oder 078 209 50 25.
Regula Bücheler: Unterengadin - Wandern in der Engiadina Bassa. Rotpunktverlag 2026. 294 Seiten.
Autorin: Fadrina Hofmann
Foto: Regula Bücheler
Autorin: Fadrina Hofmann
Foto: Regula Bücheler
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