Die Chasa 74 in Guarda ist von 1706 datiert. In diesem imposanten Engadiner Haus in Guarda ist der Vater von Urs Padrun aufgewachsen. Seine Vorfahren nutzten es als Wohnhaus, als Arbeitsort, als Lagerraum, Heustall und Stall für die Tiere. Mehrere Generationen lebten unter einem Dach. Für eine klassische Familie im 21. Jahrhundert ist dieses Haus viel zu gross. Urs Padrun ist Architekt und Vorstandsmitglied der Fundaziun Pro Guarda. Ihn interessiert das Bauen im gesellschaftlichen Kontext. Die Frage «Was braucht ein Dorf, damit es sich gut entwickeln kann?», treibt ihn um. Er selbst wohnt in einem benachbarten Haus, seine Geschwister waren nicht daran interessiert, das Haus des Vaters zu übernehmen oder zu bewohnen. Und so mussten sie sich überlegen, was mit dem Haus geschehen soll. Ihre Antwort lautet: ein Haus mit mehreren Einheiten und Funktionen. Heute ist das Haus verkauft, es hat sechs Wohneinheiten, wovon zwei Zweitwohnsitze sind. Der Suler – der typische Eingangsraum des Engadiner Hauses – ist zu einem Café mit Pâtisserie und kleinem Spezialitätenladen geworden – Garde Manger. Die Chasa 74 ist heute somit Wohn-, Ferien- und Gewerbehaus. «Das Gebäude ist zu einem Mehrwert für die Dorfbevölkerung und für Gäste geworden», freut sich Urs Padrun.
Bewahren oder umnutzen?
Engadiner Häuser sind als Zweitwohnsitze begehrte Häuser, da sie altrechtlich sind und man sie somit noch um 30 Prozent erweitern kann. Das Thema Rückzonung ist aktuell, und damit auch das Thema Verdichtung. Engadiner Häuser sind Zeitzeugen und Kulturgüter. Viele von ihnen stehen unter Denkmalschutz. Ein Umbau dauert lange und ist teuer. Für eine einheimische Familie ist ein Engadiner Haus meistens unerschwinglich. Und hier plädiert Urs Padrun für ein Umdenken. «Es geht einerseits darum, zu bewahren und zu schützen, andererseits geht es um die Möglichkeit, ein Objekt gegen innen zu verdichten», sagt er. Die Grundfrage sei immer: Welche Absicht steht dahinter? Verdichtung, um möglichst viel Profit zu erlangen, sei der falsche Weg. Verdichten, um der Allgemeinheit zu nützen, das sei der richtige Weg. Als konkretes Beispiel nennt er die Chasa Torel am Dorfplatz von Guarda, die der Fundaziun Pro Guarda gehört. Im Zuge eines Sanierungsprojekts sind aus einer Wohneinheit zwei Wohneinheiten geworden. Die Absicht dahinter: bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der Heustall wurde nicht verbaut, der Umbau im Innern entspricht den denkmalpflegerischen Ansprüchen. Die beiden Wohnungen in der Chasa Torel werden nur als Erstwohnung vermietet.
Engadiner Häuser sind als Zweitwohnsitze begehrte Häuser, da sie altrechtlich sind und man sie somit noch um 30 Prozent erweitern kann. Das Thema Rückzonung ist aktuell, und damit auch das Thema Verdichtung. Engadiner Häuser sind Zeitzeugen und Kulturgüter. Viele von ihnen stehen unter Denkmalschutz. Ein Umbau dauert lange und ist teuer. Für eine einheimische Familie ist ein Engadiner Haus meistens unerschwinglich. Und hier plädiert Urs Padrun für ein Umdenken. «Es geht einerseits darum, zu bewahren und zu schützen, andererseits geht es um die Möglichkeit, ein Objekt gegen innen zu verdichten», sagt er. Die Grundfrage sei immer: Welche Absicht steht dahinter? Verdichtung, um möglichst viel Profit zu erlangen, sei der falsche Weg. Verdichten, um der Allgemeinheit zu nützen, das sei der richtige Weg. Als konkretes Beispiel nennt er die Chasa Torel am Dorfplatz von Guarda, die der Fundaziun Pro Guarda gehört. Im Zuge eines Sanierungsprojekts sind aus einer Wohneinheit zwei Wohneinheiten geworden. Die Absicht dahinter: bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der Heustall wurde nicht verbaut, der Umbau im Innern entspricht den denkmalpflegerischen Ansprüchen. Die beiden Wohnungen in der Chasa Torel werden nur als Erstwohnung vermietet.
Warum nicht den Wandel zulassen?
«Nicht in jedem Haus und in jedem Ort macht es Sinn, verdichtet zu bauen», betont der Architekt. Aber es gebe durchaus Objekte, die für eine öffentliche Nutzung oder eine Mischform geeignet seien. Der Markt sei ausgetrocknet, der Unterhalt eines Engadiner Hauses sei eine finanzielle Herausforderung. Durch die Innenverdichtung eines Engadiner Hauses könnten mehr Mietzinse eingenommen werden, womit sich diese Investition wieder auszahle. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden viele Engadiner Häuser renoviert, nachdem der Denkmalschutz eine Sensibilisierungskampagne gestartet hatte. «Das Problem ist, dass wir bis heute primär die Häuser nur bewahren möchten», sagt Urs Padrun. Dabei zeige die Nutzung und die Architektur der Häuser, dass diese kontinuierlich den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner angepasst wurden. «Warum darf das Engadiner Haus sich heute nicht mehr wandeln?», ist seine Frage.
«Nicht in jedem Haus und in jedem Ort macht es Sinn, verdichtet zu bauen», betont der Architekt. Aber es gebe durchaus Objekte, die für eine öffentliche Nutzung oder eine Mischform geeignet seien. Der Markt sei ausgetrocknet, der Unterhalt eines Engadiner Hauses sei eine finanzielle Herausforderung. Durch die Innenverdichtung eines Engadiner Hauses könnten mehr Mietzinse eingenommen werden, womit sich diese Investition wieder auszahle. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden viele Engadiner Häuser renoviert, nachdem der Denkmalschutz eine Sensibilisierungskampagne gestartet hatte. «Das Problem ist, dass wir bis heute primär die Häuser nur bewahren möchten», sagt Urs Padrun. Dabei zeige die Nutzung und die Architektur der Häuser, dass diese kontinuierlich den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner angepasst wurden. «Warum darf das Engadiner Haus sich heute nicht mehr wandeln?», ist seine Frage.
Alle müssen an einem Strick ziehen
Natürlich sei es eine Herausforderung, mit dem kulturellen Erbe sorgfältig umzugehen. Schliesslich habe man eine gewisse Verantwortung, meint Urs Padrun. Darum plädiert er für raumplanerische Leitplanken, wie und mit welchen Mitteln ein Engadinerhaus verdichtet werden kann. Der Architekt denkt beispielsweise an eine Klassifizierung in geeignete und ungeeignete Häuser oder an eine Kontingentierung. «Man muss sich überlegen, welche Mischung von Wohnungen man in einem Dorf haben möchte.» Natürlich müsste die Politik mit der Baugesetzgebung und der Hauseigentümerschaft mitziehen. Vieles hänge vom guten Willen ab. Urs Padrun ist aber zuversichtlich, dass ein Wandel möglich ist. «Auch gegenüber Genossenschaftswohnungen war man zuerst skeptisch, jetzt sind diese akzeptiert und in Zeiten der Wohnungsnot eine gute Alternative.»
Natürlich sei es eine Herausforderung, mit dem kulturellen Erbe sorgfältig umzugehen. Schliesslich habe man eine gewisse Verantwortung, meint Urs Padrun. Darum plädiert er für raumplanerische Leitplanken, wie und mit welchen Mitteln ein Engadinerhaus verdichtet werden kann. Der Architekt denkt beispielsweise an eine Klassifizierung in geeignete und ungeeignete Häuser oder an eine Kontingentierung. «Man muss sich überlegen, welche Mischung von Wohnungen man in einem Dorf haben möchte.» Natürlich müsste die Politik mit der Baugesetzgebung und der Hauseigentümerschaft mitziehen. Vieles hänge vom guten Willen ab. Urs Padrun ist aber zuversichtlich, dass ein Wandel möglich ist. «Auch gegenüber Genossenschaftswohnungen war man zuerst skeptisch, jetzt sind diese akzeptiert und in Zeiten der Wohnungsnot eine gute Alternative.»
Die Fuschina in Giarsun ist sowohl Schmiede als auch Gasthaus, die Chesa Planta in Zuoz ist Kulturarchiv, Wohn- und Ferienhaus. Multifunktionale Projektbeispiele mit einem Mehrwert für die Gesellschaft gibt es bereits einige im Tal. «Es gibt auch die Verdichtung im Prozess der Vielfalt eines Gebäudes», erklärt der Architekt. Gute Beispiel animieren zur Nachahmung. Dort setzt Urs Padrun an. «Es muss ein Umdenken stattfinden, hin zu Verdichtung und Vielfalt, mit Respekt vor dem Kulturobjekt und seiner Geschichte.»
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