Was als Begeisterung für das Schauspiel begann, entwickelte sich zu einer Leidenschaft. Das Erzählen von Geschichten. Schon als Kind träumte ich davon, Schauspielerin zu werden und selbst vor der Kamera zu stehen. Mit der Zeit entdeckte ich jedoch eine andere Seite des Films: die Arbeit hinter den Kulissen. Heute interessiere ich mich besonders für Regie und Drehbuch. Für meine Maturaarbeit schrieb ich deshalb ein vollständiges Drehbuch für einen Kriminalfilm – ein Projekt, das meine Zukunftspläne entscheidend geprägt hat.
Inspiriert vom Jugendalltag
Die Idee entstand aus dem Wunsch, über die Realität vieler Jugendlicher zu schreiben. Freundschaften, erste Beziehungen, Leistungsdruck, soziale Medien und die Suche nach der eigenen Identität beschäftigen junge Menschen täglich. Als Schauplatz wählte ich bewusst das Engadin. Der Stazersee, an dem sich im Sommer zahlreiche Jugendliche zum Baden, Grillieren oder zum gemeinsamen Verbringen ihrer Freizeit treffen, bildet den Ausgangspunkt der Geschichte.
Da ich selbst in Samedan aufgewachsen bin und meine Jugend im Engadin verbracht habe, kenne ich diese Orte und die Atmosphäre aus eigener Erfahrung. Diese Vertrautheit soll dem Drehbuch eine authentische Grundlage verleihen und den Kriminalfall mit dem Lebensgefühl junger Menschen in der Region verbinden. Besonders wichtig war mir, ernste Themen in eine spannende Geschichte einzubetten und dabei die Gefühle der Figuren authentisch darzustellen.
Von der Idee zum Drehbuch
Um ein glaubwürdiges Drehbuch schreiben zu können, musste ich mich intensiv mit dem Aufbau von Kriminalgeschichten und den Besonderheiten des Drehbuchschreibens auseinandersetzen. Dabei lernte ich, dass eine Geschichte nicht einfach schnell geschrieben werden kann, sondern viel Planung, Überarbeitung und Flexibilität benötigt.
Während des Schreibprozesses wurden zahlreiche Ideen verändert, verworfen und neu entwickelt, damit die Handlung logisch bleibt und die Ermittlungen des Kommissars schlüssig zum Täter führen. Gleichzeitig musste ich darauf achten, Spannung aufzubauen, die Zuschauerinnen und Zuschauer zu fesseln und überraschende Wendungen einzubauen, ohne dass die Auflösung am Ende vorhersehbar wird. Gerade das Entwickeln einer stimmigen Handlung und eines überzeugenden Plots stellte dabei eine der grössten Herausforderungen dar.
Ein Mordfall mit einer Botschaft
Entstanden ist das rund 110 Seiten umfassende Drehbuch «Tiefer als der See», das am Stazersee beginnt. Eine Jugendliche verschwindet nach einer Partynacht spurlos, bevor ihre beste Freundin sie tot im Wasser entdeckt. Zunächst gehen die Ermittler von einem Unfall aus. Doch je tiefer die Hauptfigur gemeinsam mit einem Kommissar in die Vergangenheit eintaucht, desto mehr Geheimnisse kommen ans Licht. Verdächtige Freundschaften, zerbrochene Beziehungen, soziale Medien und psychischer Druck lassen die Grenzen zwischen Wahrheit und Täuschung immer mehr verschwimmen.
Die Geschichte soll einen Einblick in das Jungsein geben und zeigen, dass hinter dem, was von aussen sichtbar ist, oft viel mehr steckt. Jugendliche werden häufig nur über ihr Verhalten oder einzelne Momente wahrgenommen – doch dahinter stehen persönliche Geschichten, Ängste, Wünsche und Herausforderungen. Auch der Titel «Tiefer als der See» trägt diese Bedeutung: Er verweist darauf, dass man nicht nur an der Oberfläche bleiben darf, sondern tiefer blicken muss, um einen Menschen wirklich zu verstehen.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Suche nach der Täterin oder dem Täter. Das Drehbuch zeigt auch die Herausforderungen des Jugendalters und greift Themen wie Vertrauen, Mobbing, toxische Beziehungen, Leistungsdruck und mentale Belastungen auf. Damit verbindet das Drehbuch klassische Spannung mit gesellschaftlich relevanten Fragen.
Autorin: Fabia Niggli
Fotos: Reto Stifel | shutterstock.com/Africa Studio
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