Herr Bundesrat, was bedeutet der 1. August für Sie persönlich – und was möchten Sie den Menschen im Engadin in Ihrer Rede mit auf den Weg geben?
Der 1. August ist für mich ein Tag des Zusammenhalts. Er erinnert uns daran, dass die Schweiz nicht selbstverständlich ist, sondern das Ergebnis von Kompromissbereitschaft und gegenseitigem Respekt über Sprachgrenzen und politische Lager hinweg. Den Menschen im Engadin möchte ich sagen: Diese Region zeigt exemplarisch, was die Schweiz stark macht, nämlich der Wille, auch unter schwierigen geografischen Bedingungen etwas aufzubauen. Das verdient viel Anerkennung.
Der 1. August ist für mich ein Tag des Zusammenhalts. Er erinnert uns daran, dass die Schweiz nicht selbstverständlich ist, sondern das Ergebnis von Kompromissbereitschaft und gegenseitigem Respekt über Sprachgrenzen und politische Lager hinweg. Den Menschen im Engadin möchte ich sagen: Diese Region zeigt exemplarisch, was die Schweiz stark macht, nämlich der Wille, auch unter schwierigen geografischen Bedingungen etwas aufzubauen. Das verdient viel Anerkennung.
Die Schweiz steht vor grossen Herausforderungen – von der Energieversorgung bis zur geopolitischen Unsicherheit. Wo sehen Sie aktuell die grösste Stärke unseres Landes?
Unsere grösste Stärke ist die Fähigkeit, Probleme pragmatisch und lösungsorientiert anzugehen, statt sie zu ideologisieren. Das zeigt sich bei der Energieversorgung. Wir setzen klar auf den Ausbau von erneuerbaren Energien. Doch mir liegt die Versorgungssicherheit der Schweiz sehr am Herzen, deshalb ist es mir wichtig, dass wir auch die Kernkraft wieder als mögliche Option diskutieren. Eine weitere Stärke unseres Landes ist, dass hier das Volk mitentscheiden kann. Das schafft Akzeptanz.
Unsere grösste Stärke ist die Fähigkeit, Probleme pragmatisch und lösungsorientiert anzugehen, statt sie zu ideologisieren. Das zeigt sich bei der Energieversorgung. Wir setzen klar auf den Ausbau von erneuerbaren Energien. Doch mir liegt die Versorgungssicherheit der Schweiz sehr am Herzen, deshalb ist es mir wichtig, dass wir auch die Kernkraft wieder als mögliche Option diskutieren. Eine weitere Stärke unseres Landes ist, dass hier das Volk mitentscheiden kann. Das schafft Akzeptanz.
Sie sind am 1. August in St. Moritz. Welche Bedeutung haben alpine Regionen wie das Engadin aus Sicht des Bundes?
Alpine Regionen sind für die Schweiz weit mehr als Kulisse. Sie sind Wasserschloss und damit zentral für unsere Stromversorgung, sie sind Rückgrat des Tourismus und sie prägen unsere Identität als Bergland. Der Bund trägt deshalb eine besondere Verantwortung, damit diese Regionen nicht nur besucht, sondern auch bewohnt und bewirtschaftet werden können.
Alpine Regionen sind für die Schweiz weit mehr als Kulisse. Sie sind Wasserschloss und damit zentral für unsere Stromversorgung, sie sind Rückgrat des Tourismus und sie prägen unsere Identität als Bergland. Der Bund trägt deshalb eine besondere Verantwortung, damit diese Regionen nicht nur besucht, sondern auch bewohnt und bewirtschaftet werden können.
Das Engadin ist eine international bekannte Tourismusregion, kämpft aber gleichzeitig mit Wohnungsknappheit und hohen Lebenshaltungskosten. Was kann der Bund tun, um Bergregionen langfristig attraktiv zu halten?
Zweitwohnungsproblematik und Wohnraum für Einheimische bleiben zentrale Themen, die eine enge Zusammenarbeit mit den Kantonen und Gemeinden erfordern. Es geht darum, Regionalpolitik und Investitionshilfen für Berggebiete gezielt einzusetzen, damit Wertschöpfung vor Ort bleibt. Wichtig ist die Erreichbarkeit und digitale Infrastruktur zu sichern, damit auch dezentrales Arbeiten in Bergregionen möglich ist.
Zweitwohnungsproblematik und Wohnraum für Einheimische bleiben zentrale Themen, die eine enge Zusammenarbeit mit den Kantonen und Gemeinden erfordern. Es geht darum, Regionalpolitik und Investitionshilfen für Berggebiete gezielt einzusetzen, damit Wertschöpfung vor Ort bleibt. Wichtig ist die Erreichbarkeit und digitale Infrastruktur zu sichern, damit auch dezentrales Arbeiten in Bergregionen möglich ist.
Wo ist dabei der Beitrag des Bundes?
Der Bund kann Rahmenbedingungen setzen, die eigentliche Lösung muss aber vor Ort erarbeitet werden. Zentralistische Vorgaben aus Bern würden der Vielfalt der Bergregionen nicht gerecht.
Der Bund kann Rahmenbedingungen setzen, die eigentliche Lösung muss aber vor Ort erarbeitet werden. Zentralistische Vorgaben aus Bern würden der Vielfalt der Bergregionen nicht gerecht.
Die Anreise ins Engadin erfolgt in der Regel über Strasse oder Bahn. Welche Prioritäten setzt der Bund bei der Erreichbarkeit von Randregionen?
Eine verlässliche Erreichbarkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Randregionen wirtschaftlich und touristisch mithalten können. Wir investieren deshalb kontinuierlich in den Substanzerhalt und Ausbau von Strasse und Schiene.
Eine verlässliche Erreichbarkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Randregionen wirtschaftlich und touristisch mithalten können. Wir investieren deshalb kontinuierlich in den Substanzerhalt und Ausbau von Strasse und Schiene.
Sie haben die Wasserkraft erwähnt. Die Alpen spielen eine Schlüsselrolle für die Wasserkraft. Wie gelingt der Spagat zwischen dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Schutz der Landschaft?
Der Runde Tisch Wasserkraft war ein wichtiger Schritt. Die grossen Umweltverbände haben sich dort zu den 16 Projekten von nationalem Interesse bekannt, und das war auch mit ein Grund, weshalb das Stromgesetz an der Urne angenommen wurde. Jetzt erwarte ich aber, dass dieses Wort auch gilt. Es kann nicht sein, dass Einsprachen jene Projekte weiter verzögern. Das Beschwerderecht bleibt bestehen, das habe ich immer gesagt, aber es braucht dafür gewichtige Gründe. Wer beim Klimaschutz vorangehen will, muss auch bereit sein, den Ausbau der einheimischen, erneuerbaren Wasserkraft mitzutragen. Alles andere ist inkonsequent. Nur mit diesem Gleichgewicht bleibt eine Region wie das Engadin, für die eine intakte Landschaft touristisches Kapital ist, auch als Werkplatz für Winterstrom verlässlich.
Der Runde Tisch Wasserkraft war ein wichtiger Schritt. Die grossen Umweltverbände haben sich dort zu den 16 Projekten von nationalem Interesse bekannt, und das war auch mit ein Grund, weshalb das Stromgesetz an der Urne angenommen wurde. Jetzt erwarte ich aber, dass dieses Wort auch gilt. Es kann nicht sein, dass Einsprachen jene Projekte weiter verzögern. Das Beschwerderecht bleibt bestehen, das habe ich immer gesagt, aber es braucht dafür gewichtige Gründe. Wer beim Klimaschutz vorangehen will, muss auch bereit sein, den Ausbau der einheimischen, erneuerbaren Wasserkraft mitzutragen. Alles andere ist inkonsequent. Nur mit diesem Gleichgewicht bleibt eine Region wie das Engadin, für die eine intakte Landschaft touristisches Kapital ist, auch als Werkplatz für Winterstrom verlässlich.
Der Klimawandel ist in den Alpen besonders sichtbar, mit schmelzenden Gletschern, Naturgefahren und Veränderungen im Tourismus. Was bedeutet das konkret für die Bundespolitik?
Die Alpen sind ein Frühwarnsystem für den Klimawandel. Das bedeutet für uns erstens, den Schutz vor Naturgefahren wie Hangrutschen, Murgängen und Hochwasser konsequent zu verstärken, und zweitens, die betroffenen Regionen bei der Anpassung zu unterstützen, sei es im Wassermanagement oder bei der touristischen Neuausrichtung. Klimapolitik heisst für mich vor allem, konkrete Massnahmen umzusetzen, statt Symbolpolitik zu betreiben.
Die Alpen sind ein Frühwarnsystem für den Klimawandel. Das bedeutet für uns erstens, den Schutz vor Naturgefahren wie Hangrutschen, Murgängen und Hochwasser konsequent zu verstärken, und zweitens, die betroffenen Regionen bei der Anpassung zu unterstützen, sei es im Wassermanagement oder bei der touristischen Neuausrichtung. Klimapolitik heisst für mich vor allem, konkrete Massnahmen umzusetzen, statt Symbolpolitik zu betreiben.
Sie sind als Berner Oberländer ein Bergler: Wenn Sie privat einen Tag im Engadin verbringen könnten – ohne offizielles Programm –, wie würde dieser aussehen?
Ein guter Tag in den Bergen beginnt früh, mit einer Wanderung, bevor die Hitze kommt. Danach eine währschafte Bündner Mahlzeit, gerne mit Blick auf einen der Engadiner Seen, und am Abend Zeit für ein Gespräch mit Einheimischen, die einem die Region so erzählen, wie sie ist und nicht wie im Prospekt.
Ein guter Tag in den Bergen beginnt früh, mit einer Wanderung, bevor die Hitze kommt. Danach eine währschafte Bündner Mahlzeit, gerne mit Blick auf einen der Engadiner Seen, und am Abend Zeit für ein Gespräch mit Einheimischen, die einem die Region so erzählen, wie sie ist und nicht wie im Prospekt.
Dafür bleibt dieses Mal wenig Zeit. Im Rahmen der 1.-August-Feiern treten Sie gleich an mehreren Orten in der Schweiz auf. Wären weniger Auftritte nicht schöner, um den Austausch mit der Bevölkerung pflegen zu können?
Mein Programm am 1. August ist tatsächlich dicht, weil ich es wichtig finde, in verschiedenen Landesteilen präsent zu sein, gerade auch in Regionen, die im politischen Alltag manchmal weniger Beachtung finden. Der direkte Austausch ist mir wichtig, deshalb suche ich ihn bewusst auch ausserhalb solcher Grossanlässe, im Gespräch am Rand, nicht nur auf der Bühne. Doch bei diesen Auftritten habe ich immer auch genügend Zeit, mich mit der Bevölkerung auszutauschen.
Mein Programm am 1. August ist tatsächlich dicht, weil ich es wichtig finde, in verschiedenen Landesteilen präsent zu sein, gerade auch in Regionen, die im politischen Alltag manchmal weniger Beachtung finden. Der direkte Austausch ist mir wichtig, deshalb suche ich ihn bewusst auch ausserhalb solcher Grossanlässe, im Gespräch am Rand, nicht nur auf der Bühne. Doch bei diesen Auftritten habe ich immer auch genügend Zeit, mich mit der Bevölkerung auszutauschen.
In St. Moritz tritt auch eine ukrainische Politikerin auf. Das hat für Irritationen im Vorfeld gesorgt. Was sagen Sie zu dieser Situation?
Frau Iasko und ich treten nicht gemeinsam auf. Ich halte meine Festrede, zu der ich eingeladen wurde und reise danach weiter ins Berner Oberland. Der 1. August ist ein Tag, an dem sich in vielen Gemeinden ganz unterschiedliche Rednerinnen und Redner die Klinke in die Hand geben, das liegt in der Verantwortung der jeweiligen Organisatoren. Für mich zählt an diesem Tag die Schweiz und der Austausch mit der Bevölkerung vor Ort, nicht das übrige Programm.
Frau Iasko und ich treten nicht gemeinsam auf. Ich halte meine Festrede, zu der ich eingeladen wurde und reise danach weiter ins Berner Oberland. Der 1. August ist ein Tag, an dem sich in vielen Gemeinden ganz unterschiedliche Rednerinnen und Redner die Klinke in die Hand geben, das liegt in der Verantwortung der jeweiligen Organisatoren. Für mich zählt an diesem Tag die Schweiz und der Austausch mit der Bevölkerung vor Ort, nicht das übrige Programm.
Albert Rösti wurde am 7. Dezember 2022 als Mitglied des Bundesrats gewählt. Er ist Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Er ist Doktor der technischen Wissenschaften und Ingenieur Agronom. Albert Rösti ist Bürger von Frutigen (BE), verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.
Autorin: Fadrina Hofmann
Foto: Bundeskanzlei/Béatrice Devènes
Autorin: Fadrina Hofmann
Foto: Bundeskanzlei/Béatrice Devènes
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