Gemeinsam mit ihrer Mutter als treue Begleiterin reiste Eichholzer-Bott mit dem Privatauto via Meran und Brescia nach Casto. «Mein Vater ist sonst auch oft dabei, aber im September wird die Jagd natürlich priorisiert», sagt sie schmunzelnd. Noch bevor sie von ihren Resultaten erzählt, hebt die Engadinerin eine besondere Erfahrung abseits der Trails hervor: die Eröffnungszeremonie der sieben für die Teamwertung eingeladenen Nationen. Besonders in Erinnerung blieb ihr die sprachliche Vielfalt im Schweizer Team. «Jedes Team musste etwas vortragen. Unser Trainer sagte etwas auf Deutsch, ein Athlet aus der Westschweiz sprach Französisch, ein Teamkollege aus dem Tessin Italienisch, und ich durfte etwas auf Rätoromanisch sagen», erzählt die stolze Zernezerin.

Knapp an Top Ten vorbeigekratzt
Wenn Eichholzer-Bott auf das Wochenende zurückblickt, ist ihre Dankbarkeit spürbar. Mit 43 Jahren ist das Elitefeld für sie noch immer Neuland. Doch ihre Resultate zeigen deutlich: Das Motto «Dabei sein ist alles» wird ihren Qualitäten längst nicht gerecht. Beim Vertical-Rennen am Samstag nahm sie den Start mit gro­sser Vorfreude, aber auch mit Respekt in Angriff. «Im Weltcup ist die Konkurrenz extrem stark. Ich habe mir aber wie immer vorgenommen, an meine Grenzen zu gehen und mein Bestes zu geben.» Dieser Plan ging perfekt auf: Unter den rund 70 besten Bergläuferinnen der Welt belegte Eichholzer-Bott den starken 11. Platz. Nur drei Sekunden fehlten ihr auf die vor ihr klassierte Italienerin und damit auf die Top Ten.

Am zweiten Tag in die Top Ten
Die Zeit nach dem Rennen diente der Erho­lung. «Am Samstag hiess es, gut zu regenerieren und möglichst gute Beine für den Sonntag zu haben.» Schon beim Einlaufen am nächsten Morgen fühlte sie sich wieder bereit. Gemeinsam mit den Männern ging es auf die 21 Kilometer und 1300 Höhenmeter verlaufende Strecke. Schulter an Schulter mit Athletinnen und Athleten aus den führenden Laufnationen, darunter auch Kenia, nahm Eichholzer-Bott das schwierige Rennen bei hohen Temperaturen in Angriff. «Dass ich mit 43 Jahren noch eine solche Erfahrung machen darf, ist ein Privileg», sagt sie. Auf den letzten Kilometern gelang ihr zudem eine kleine Revanche: Die Italienerin, die am Vortag noch drei Sekunden vor ihr klassiert gewesen war, holte Eichholzer-Bott im letzten Abstieg ein. Als Zehnte erreichte sie das Ziel. «Ich konnte meine Grenzen pushen und wirklich alles aus mir herausholen. Diesen Erfolg vor Ort auch mit meiner Mutter zu teilen, war wunderschön.» Auch im Gesamtklassement ist ihre Leistung bemerkenswert: Von mehr als 200 Teilnehmenden lief Eichholzer-Bott als 50. ins Ziel. Damit überzeugte sie in Casto an beiden Wettkampftagen mit Spitzenleistun­gen.

Der Körper setzt Grenzen
Für ihren zehnten Rang erhielt sie eine Einladung zum Weltcup-Final in Polen. Voraussichtlich wird die Engadinerin jedoch darauf verzichten, denn bereits beim Sommerlauf vor zwei Wochen hatten sich Schmerzen im Bein bemerkbar gemacht. «Ich muss auf meinen Körper hören und mich erholen. Schlussendlich bin ich auch nicht mehr zwanzig», sagt sie mit einem Lächeln. Im Vordergrund steht nun, dass die Entzündung an der Ader ausreichend Zeit zur Heilung erhält. Je nach Genesungsverlauf könnte die einheimische Malojalauf-Veranstaltung am kommenden Sonntag dennoch von einer internationalen Topläuferin profitieren. «Wenn es gut geht, laufe ich mit, vielleicht sogar gemeinsam mit meiner Tochter, die ebenfalls gerne läuft.»

Am Ende des Gesprächs hält Eichholzer-Bott kurz inne. Dann sagt sie: «Wenn ich so auf das Wochenende zurückblicke, bin ich auch ein bisschen stolz auf mich.» Dafür gibt es nach ihren Leistungen in Casto aber auch allen Grund. 

Autorin: Fabiana Wieser
Fotos: Flurina Eichholzer-Bott