Die Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern organisiert regelmässig Tagungen zu verschiedenen Themen rund um Medien und Kommunikation. Am vergangenen Donnerstag fanden sich über 30 Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten aus der ganzen Schweiz – unter anderem von der «Engadiner Post/Posta Ladina» – am MAZ ein, um über ihr Kerngeschäft zu sprechen. In ihrer Begrüssungsrede sagte CEO Martina Fehr: «Lokaljournalismus ist extrem wichtig für die Demokratie.» Marianne Läderach, Leiterin des Medieninstituts beim Verband Schweizer Medien, erläuterte: «Ein Lokalmedium ist der Ort, wo Menschen erfahren, was politische und gesellschaftliche Entwicklungen für das eigene Leben bedeuten.»
Verleger müssen Rücken stärken
Gemäss Martina Fehr zeichnet sich Lokaljournalismus durch die Nähe aus. Dadurch sei es auch «eine der härtesten Formen des Journalismus». Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten müssen genau wissen, worüber sie berichten. Sie werden von der Leserschaft auf den Wahrheitsgehalt überprüft und je nachdem auch beim Bäcker oder auf der Strasse damit konfrontiert. «Es braucht Mut und ein dickes Fell im Lokaljournalismus», so Martina Fehr. Trotz der Nähe zur Leserschaft und zu den gesellschaftlichen und politischen Playern in der Region müssen sie eine kritische Distanz wahren. «Wichtig sind Verleger, die ihnen den Rücken stärken», betonte Marianne Läderach.
Martina Fehr ist überzeugt, dass es den Lokaljournalismus gerade in der heutigen Zeit braucht. «Es braucht Diskussionen, damit Menschen sich eine eigene Meinung bilden können.» Journalisten regen an und ordnen ein, sie sind vor Ort und sprechen mit den Menschen, sie erleben selbst, was passiert. Das kann die Künstliche Intelligenz nicht ersetzen.
Starke Ankerpunkte im Alltag
Liliane Minor ist seit 37 Jahren Lokaljournalistin beim «Tages-Anzeiger». Als sie als junge Frau als «Korrespondentin» angefangen hat – wie sie damals bezeichnet wurde –, war die Digitalisierung noch weit entfernt. «Das Lokale ist kein Prestigeressort, sondern wird oftmals als Einsteigerressort angesehen», sagte sie. Liliane Minor findet dieses Image schade, denn das Lokale sei gerade das, was alle anderen Medien nicht hätten. «Es ist unser USP.»
Die Studie «Lokaljournalismus & Demokratie» der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (2025) hat ergeben, dass über 50 Prozent der Bevölkerung lokaljournalistische Inhalte täglich nutzt, 80 Prozent mindestens ein Mal pro Woche. Gemäss der Studie sind lokaljournalistische Angebote starke Ankerpunkte im Alltag. Professioneller Lokaljournalismus wird als verlässlichste Quelle für lokale Informationen eingestuft. Das Fazit der Studie: Wer lokal gut informiert ist, ist zufriedener mit demokratischen Prozessen.
«Mit Neugier, Gespür und Mut»
«Im Lokaljournalismus wird das Grosse im Kleinen gezeigt, aber auch das Kleine im Grossen», sagte Liliane Minor. Auch sie ist überzeugt, dass KI keine Gefahr für den Lokaljournalismus darstellt. Künstliche Intelligenz könne schreiben, zusammenfassen, prüfen, aber nichts Neues generieren. «Es braucht Menschen, die sehen, fühlen, Fragen stellen, die rausgehen und mit den Menschen reden – mit Neugier, Gespür und Mut».
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