Die Vernissage der Ausstellung «Könz» am Samstagnachmittag fühlte sich ein wenig wie eine Familienfeier an. Iachen Ulrich und Steivan Liun Könz sind verstorben, Constant Könz konnte nicht anwesend sein, aber dafür waren andere Familienmitglieder zur Ausstellungseröffnung erschienen. Der 97-jährige Jachen Könz, zum Beispiel. Er ist der Zwillingsbruder von Constant Könz. Mit einem breiten Lächeln wandelte er durch die Ausstellungsräume der Galerie Stalla Madulain. Aquarellbilder seines Vaters hängen hier die nächsten Wochen neben den grossen abstrakten Ölbildern seines Zwillingsbruders und den verspielt, wilden Werken seines jüngsten Bruders.
Jachen Könz ist zudem der Grossvater der Galeristen Gian Tumasch Appenzeller und Chasper Schmidlin. «Diese Ausstellung basiert auf viel Vertrauen», sagt Jachen Könz. Sie sei entstanden, weil verschiedene Familienmitglieder mitgezogen hätten. Andrea Könz hat zum Beispiel Bilder aus dem Privatbesitz beigesteuert – Werke von ihrem verstorbenen Ehemann Steivan Liun Könz ebenso wie Aquarellbilder von dessen Vater.
Noch eine gemeinsame Ausstellung
Die Idee, eine Ausstellung von drei Könz-Künstlern zu realisieren, hatte ebenfalls Andrea Könz. «Viele Jahre lang hing ein Plakat in unserem Atelier mit der Ankündigung der ‹mostra d‘arte› in Bellinzona», erzählt sie. 55 Jahre ist es her, dass die beiden Brüder und der Vater gemeinsam eine Ausstellung realisiert haben. Als Gian Tumasch Appenzeller mit dem Wunsch zu ihr kam, eine Ausstellung zu Steivan Liun Könz zu machen, schlug Andrea Könz ihm diese Gegenüberstellung der drei verwandten Künstler vor. Entstanden ist eine Ausstellung, welche die Geschichte einer Familie erzählt, die laut dem Kurator «das kulturelle Gesicht des Engadins über Generationen hinweg nachhaltig mitgeprägt hat».
Drei Künstler, drei Stile
Iachen Ulrich Könz (1899-1980) prägte als Architekt und mit seinen Sgrafitti das Erscheinungsbild vieler Engadiner Dörfer. In seinen Aquarellen hielt er Landschaften und Dörfer auf feinsinnige Art fest. Constant Könz (1929) widmete sein Leben der Malerei, schuf Gemälde und Sgrafitti sowie Arbeiten im öffentlichen Raum. Er ist bekannt für seine grossen, abstrakten Ölbilder, gemalt im Tachisme-Stil. Steivan Liun Könz (1940-1998) war ein Künstler von aussergewöhnlicher Fantasie und Weltoffenheit, was sich auch in seiner Kunst widerspiegelt. «Trotz der Familienbande hat jeder der drei einen eigenen Charakter und einen unverwechselbaren Stil», so Jachen Könz.
«Ein stimmiges Gesamtwerk»
Die Bilder in der Ausstellung «Könz» sind nicht etwa nach Künstler sortiert, sondern hängen gemeinsam in den gleichen Räumen. «Ich bin begeistert, wie die Bilder zusammengestellt wurden, es entsteht ein stimmiges Gesamtwerk», sagte Andrea Könz. Gian Tumasch Appenzeller hat die Ausstellung gemeinsam mit seiner Frau Patricia kuratiert. «Sie hat ein besonderes Auge für Ästhetik», schwärmte der Galerist.
Im Prozess zur Realisierung der Ausstellung hat ihn überrascht, wie viele Aquarelle noch vom Urgrossvater vorhanden sind. «Auch bei Constant habe ich einen Teil seines Schaffens entdeckt, das bislang nicht öffentlich zugänglich war», erzählte er. Die meisten Werke von Steivan Liun Könz befinden sich im Kulturarchiv Oberengadin. «Für mich hat diese Ausstellung auch einen musealen Touch», meint der Kurator. Es seien Bilder zu sehen, die noch nie gezeigt wurden. Der Besuch ermögliche so, die drei bekannten Künstler neu kennenzulernen.
Werke im Dialog untereinander
«Die Bilder der Künstler sind in der Ausstellung immer im Dialog mit den anderen Werken», sagte Gian Tumasch Appenzeller. So wie es auch einen Austausch und eine unbewusste Prägung zwischen den drei Künstlern gegeben habe. Ein Dialog entstand während der Vorbereitung zur Ausstellung auch innerhalb der Familie Könz. «Ohne die Verwandten wäre diese Ausstellung gar nicht möglich geworden – alle freuen sich jetzt darüber und sind stolz».
Das bestätigte auch Chasper Schmidlin, Mitinitiant und Galerist der Stalla Madulain. Er ist ebenfalls ein Urenkel von Jachen Ulrich Könz, der in der Familie liebevoll JUK genannt wurde. «Diese Ausstellung bedeutet mir viel, da JUK wie auch Constant mich in meiner Arbeit täglich begleiten und es höchste Zeit war, diese Werke zu zeigen», sagte er.
Die Ausstellung läuft noch bis 19. September. Weitere Informationen: www.stallamadulain.ch
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