«Eine moderne, gut funktionierende Wasserversorgung ist das Ziel jeder Gemeinde», sagt Daniel Freitag, Leiter Bauamt Samedan. Die Wasserversor­gung von Samedan wird vom drei Säulen getragen: die Quellen Val Champagna und Proschimun, zwei Wasserreservoirs und ein Grundwasserpumpwerk unterhalb des Golfplatzes. 21 Kilometer lang ist das unterirdische Wasserleitungsnetz. Nicht von ungefähr ist der Wassermann das Wahrzeichen von Samedan. «Uns kann das Wasser eigentlich nicht ausgehen», sagt Arno Pfister, Werkmeister-Stellvertreter. 

In Samedan gibt es keinen Wasser- oder Brunnenmeister wie in St. Moritz oder Scuol. Hier sind Werkmeister Ricardo Pinto und Pfister gemeinsam mit zwei weiteren Wasserwarten dafür verantwortlich, dass rund um die Uhr zu jeder Jahreszeit sauberes Trinkwasser in allen 2600 Haushalten von Samedan fliesst. «Fällt jemand aus, sind noch drei weitere Personen kompetent, um diese Aufgabe zu übernehmen», sagt Freitag. Das Team sorgt dafür, dass die rechtlichen Auflagen zur Wasserqualität erfüllt werden und die technischen Anlagen reibungslos funktionieren. Die Gemeinde Samedan arbeitet auch mit externen Experten zusammen. 

Eine eigene Filtrationsanlage
Auf einem Monitor im Werkhof in Cho d’Punt zeigen die Männer, wie das gesamte Wassersystem in Samedan funktioniert. Das Wasserwerk wird elektronisch überwacht. «Bei Problemen wird ein Alarm ausgelöst, unter anderem auf unseren Smartphones» sagt Pinto. Die Quelle Val Champagna ist die Hauptsäule der Trinkwasserversorgung. Sie wurde 1893 auf 1975 Höhenmetern gefasst. Quellfassung, Quellengang und Brunnenstube wurden zwischen 2019 und 2021 neu erstellt und um eine moderne Filtrationsanlage ergänzt. 4,3 Millionen Franken kostete das gesamte Unterfangen. 

Im Filtrationsgebäude Gravatscha wird das Wasser von Arsen und anderen Spurenelementen befreit, danach fliesst es weiter in das Wasserreservoir San Peter. 1,5 Millionen Liter fasst dieses Reservoir. 250 000 Liter Wasser stehen jederzeit als Löschreserve für die Feuerwehr bereit.

1500 Liter Wasser pro Minute
Die Quelle Val Champagna liefert 75 Prozent des Wassers für die Gemeinde Samedan. Auf einem Video zeigt Arno Pfister den 120 Meter langen Quellengang, in dem direkt aus dem Berg klares Quellwasser sprudelt. «Im Moment fliessen aus dieser Quelle 1500 Liter Wasser in der Minute», erklärt er. Diese Zahlen sind auch auf dem Monitor zu sehen. Hier ist zudem ersichtlich, wie hoch der Verbrauch ist. «Durchschnittlich beläuft sich der tägliche Wasserverbrauch von Samedan auf 1,2 bis 2,5 Millionen Liter, je nach Jahreszeit», informiert Freitag. Das Grundwasserpumpwerk wird lediglich zur Überbrückung von Verbrauchsspitzen genutzt, zum Beispiel im Winter, wenn die Quellen weniger Wasser führen, mit den Touristen sich mehr Menschen in der Gemeinde aufhalten und Wasser für die Schneeproduktion benötigt wird. 

Wasserwerte online einsehbar
Die Wasserqualität wird regelmässig an mehreren Orten gemessen, sowohl von der Gemeinde als auch vom Kanton. Die Werte werden jeweils auf der Internetseite der Gemeinde unter der Rubrik «Wasserversorgung» publiziert. Das Wasser in Samedan ist übrigens sehr weich, Kalk ist somit kein Thema. 

Die Wasserversorgung erfolgt über ein Druckzonensystem: Die untere Zone im Siedlungsgebiet wird direkt aus dem Reservoir San Peter gespeist. Die obere erhält ihr Wasser über das höher gelegene Reservoir Selvas Plaunas, das mit Druck vom Hauptreservoir aus befüllt wird. 

Parallel zur Wasserleitung verläuft noch ein unterirdisches Kanalisationssystem. Nach dem Gebrauch fliesst das Wasser in die Kanalisation und von dort zur Abwasserreinigungsanlage ARA S-chanf und schliesslich in den Inn. 

Eine Quelle ist keine Garantie
So viel zum ausgeklügelten System. Doch was würde passieren, sollte die Quelle Champagna mal beschädigt werden oder versiegen würde? «Man weiss nie, wie lange eine Quelle Wasser führt», sagt Freitag. Eine Garantie bestehe leider nicht. Als Übergangslösung müsste das Grundwasserpumpwerk Golf vermehrt eingesetzt werden, um den täglichen Bedarf an Trinkwasser sicherstellen zu können. Einen Plan B gibt es noch nicht. «Man müsste neue Quellen suchen und fassen, aber das ist ein Prozess, der mehrere Jahre dauern kann».