Fröhliche Musik, Gläserklingen und viele graue Haare – doch diese gehörten bei der «SenArt»-Vernissage den Künstlerinnen und Künstlern. Pro Senectute ermöglicht mit der Ausstellung 22 kreativen Köpfen im Alter von 60 bis 86 Jahren, ihre Werke einem breiten Publikum zu zeigen. Einige der Ausstellerinnen und Aussteller verstehen sich zwar nicht als Künstler, aber die Qualität der Werke und die Vielfalt der Techniken beeindruckten auch die Passanten auf dem Weg zum Tageseinkauf. Von Fotografien über Cartoons, Drucktechniken und Häkelkunst bis hin zu verschiedensten Maltechniken bietet die Ausstellung für jeden Geschmack etwas.

Anna Maria Bott aus Valchava, mit gerade mal 60 Jahren ein Pro Senectute-Küken, stellt zum ersten Mal ihre kraftvollen Tierporträts aus. Die vielen positiven Rückmeldungen freuen sie: «Es ist eine neue Erfahrung, dass so viele Unbekannte meine Bilder anschauen. Und ich bin ganz gerührt von der Wertschätzung für die Werke, auch gegenseitig unter den Künstlern.» Sie musste sich zwar zuerst daran gewöhnen, Teil der «Sen(ioren)Art» zu sein, schätzt mittlerweile aber die Freiheiten der neuen Lebensphase. «Es ist schön für mich, weniger Verpflichtungen zu haben und dafür mehr Zeit und Lust zum Malen», fasst sie ihre ersten Erfah­rungen mit dem Älterwerden zusammen. 

Älter werden kann farbig sein
Genau das will Pro Senectute Graubünden mit der Ausstellung aufzeigen: Älterwerden kann auch kreativ sein. Die Lebensfreude endet nicht mit der Pensionierung. Die SenArt ist ein Ausrufezeichen gegen den Trend, das Alter mit Defiziten, Beschwerden oder Einsamkeit gleichzusetzen. Und die Porta Samedan ist der perfekte Ort, um die Werke den Menschen näherzubringen, die eher für das Brot aus der Migros oder die Feuchtigkeitscreme aus der Drogerie nach Samedan fahren. So mischten sich auch während der Vernissage etliche Einkaufswillige unter die Festgesellschaft, lauschten den festlichen Klängen und begutachteten mit Interesse die neue Farbigkeit in den Hallen des Einkaufszentrums.

Die Ausstellung dauert bis Mitte März. Anna Maria Bott, die intensiv über die sozialen Medien kommuni­ziert, hofft auf viele weitere Besucherinnen auch aus dem Münstertal. «Ich hoffe aber auch, dass die Ausstellung weitere Seniorinnen und Senioren motiviert, selber kreativ zu werden,» sagt sie und stösst noch einmal auf die Ausstellung an. 

Autor: Othmar Lässer
Foto: Anna Bisaz, Pro Senectute